Wir von der Encodo arbeiten aktuell an Produkteunterlagen und dabei ist Frage nach Screenshots aufgekommen. Wir IT-Fritzen waren der Meinung, dass ein Screenshoot unbedingt in die Unterlagen gehört. Auf die Frage hin, warum wir denn unbedingt einen Screenshot relativ prominent in den Produkte- bzw. Verkaufsunterlagen wollten, antworteten wir: “Wir verwenden Screenshots als ein sehr gewichtiges Auswahlkriterium bei der Evaluation neuer Software”.
Soweit so gut, aber müssen auf dem Screenshots Details sichtbar sein? Nein − es geht uns darum, dass wir mit einem Blick die Generation der Software abschätzen können. Aus der Generation wiederum schliessen wir, wie neu bzw. aktuell die Software ist und wie intensiv diese noch weiterentwickelt wird. Weiter zeigt es auch auf, ob die Entwickler Wert auf Details und somit Sorgfalt legen, was wiederum ein Indiz für die Qualität der Software ist.
Ist das Erscheinungsbild extrem schlecht, kann es sogar sein, dass es uns davon abhält überhaupt erst Details zu dem Produkt zu lesen. Insofern ist uns dann die Funktionalität ganz egal. Das ist sicher der Extremfall, aber er zeigt auf, wie wichtig das Erscheinungsbild einer Software werden kann.
Man könnte jetzt sagen, dann publizieren wir von unseren Programmen eben grundsätzlich keine Screenshots, so können diese auch nicht negativ wirken. Das wird mich als Entwickler allerdings misstrauisch machen. “Warum haben die keinen Screenshot von Ihrer Software veröffentlicht? Haben sie was zu verbergen?”, frage ich mich bei solchen Programmen. Das hat für diese zur Folge, dass sie schon bei der allerersten Runde rausfliegen − noch bevor ich mir die unterschiedlichen Screenshots anschaue.
Machen wir ein kleines Beispiel und suchen uns eine neue Taschenrechner-Anwendung. Wir suchen einen einfachen Taschenrechner, welcher die wichtigsten Grundoperationen unterstützt. Wir googlen etwas umher und haben schnell zwei Produkte gefunden, welche die folgenden beiden Screenshots auf deren Webseiten publiziert haben.
Wir überlegen uns jetzt, welches wir wirklich runter laden und auf dem eigenen Rechner installieren (und ggf. wieder deinstallieren, wenn er nichts war).
Bei welchen dieser beiden Programme klickt Ihr als erstes auf den Download-Link, installiert und testet es?
Tippe mal auf Nummer 2 − mindestens wäre das bei mir als Entwickler so. Beim ersten Taschenrechner habe ich das Gefühl, der Entwickler ist noch im Windows 95 Zeitalter stehen geblieben. Da wird vermutlich nicht so bald was Neues kommen, welches auch neuere Entwicklungen berücksichtigen wird (z.B. Integration in die neuen Windows 7 Funktionen).
Auch wenn wir Nummer 2 zuerst runter laden, kann es dieser immer noch mit der Funktionalität und anderen Dingen verpatzen. ABER: wir haben ihm die erste Chance gegeben. Sind wir mit Nummer 2 super zufrieden, werden wir keinen weiteren Taschenrechner runter laden und installieren, und seine Konkurrenz bekommt erst gar keine Chance, auch wenn diese evtl. gar nicht so schlecht gewesen wäre wie sein erster Eindruck vermittelte.
Genau das zählt: der erste Eindruck. Und dieser geht bei Software meist über einen Screenshot.